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Homeoffice

Die Corona-Pandemie hat das Arbeiten im Homeoffice auch in Bereichen „gesellschaftsfähig“ gemacht, in denen es vorher als undenkbar galt.

Homeoffice oder auch Telearbeit beschreibt eine Arbeitsform, bei der Beschäftigte ihre Aufgaben vollständig oder zum Teil nicht an einem Arbeitsplatz ihres Arbeitgebers verrichten, sondern an einem anderen Ort, zumeist zu Hause. Kommunikativ angebunden sind Beschäftigte dann per Telefon und Internet.

Bislang existieren keine gesetzlichen Rahmenbedingungen, wie ein Homeoffice-Arbeitsplatz ausgestaltet sein muss. In der betrieblichen Praxis müssen die Beteiligten deshalb zuerst prüfen, ob bereits eine arbeitsvertragliche Regelung oder eine Betriebs- beziehungsweise Dienstvereinbarung besteht.

Ist das nicht der Fall, besteht kein Anspruch auf ein Arbeiten im Homeoffice. Will ein Unternehmen Beschäftigten Homeoffice ermöglichen, sollte eine Betriebs- oder Dienstvereinbarung geschlossen werden.

Homeoffice gilt als familienfreundlich und ermöglicht Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen besser zu organisieren. In Zeiten von Fachkräftemangel setzen Unternehmen die flexible Arbeitszeitgestaltung auch als Instrument im Kampf um die besten Arbeitskräfte ein.

Ohne detaillierte Vereinbarungen sind jedoch Schwierigkeiten vorprogrammiert. Schließlich basiert Homeoffice auf gegenseitigem Vertrauen. Der Arbeitgeber muss sich auf die Selbstdisziplin und Zuverlässigkeit seiner Mitarbeiterin oder seines Mitarbeiters verlassen können. Im Gegenzug möchten diese sicher sein, dass sich dieses Arbeitszeitmodell nicht negativ auf ihr berufliches Fortkommen auswirkt.

Eine wichtige Frage ist, wer die Kosten für die Einrichtung und laufenden Kosten des Arbeitsplatzes zuhause übernimmt.

Nutzen Arbeitnehmer/-innen zum Beispiel vorhandene technische Geräte, kann der Arbeitgeber verpflichtet sein, sich an den Kosten zu beteiligen (§ 670 BGB). Es gilt der Grundsatz, dass jene einen Ersatzanspruch haben, die im Interesse eines anderen Aufwendungen haben. Am Ende muss jeder Fall einzeln betrachtet werden. So hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einem Fall entschieden, dass ein Lehrer nicht verlangen kann, dass ihm seine Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer ersetzt werden (BAG vom 12.04.2011 – AZR 14/10). Zur Begründung führte das Gericht aus, dass der Arbeitgeber ihm keinen Ort für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts vorgegeben hat, sondern ihm anheimstellte, die Räumlichkeiten in der Schule zu nutzen.

Es gibt also keine allgemeinverbindlichen Regelungen, weshalb der Abschluss einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung ratsam ist. Hierin sollte festgelegt werden, dass der Arbeitgeber die Kosten tragen muss, wenn neue Geräte angeschafft werden. Das bedeutet aber auch, dass es sich dann um Gegenstände handelt, die im Eigentum des Arbeitgebers stehen und nur nach Absprache auch privat genutzt werden dürfen.

Auch für beruflich bedingte Telefon- und Internetverbindungskosten sollte eine Regelung getroffen werden.

Und vor allem muss natürlich auch die Frage des Datenschutzes geregelt werden.

Beschädigen Beschäftigte vom Arbeitgeber bereitgestellte Geräte im Rahmen ihrer Tätigkeit, gelten die allgemeinen Grundsätze der Arbeitnehmerhaftung. Es handelt sich immer um eine Einzelfallbetrachtung. Im Grundsatz gilt dabei folgende Dreiteilung:

  • Bei Vorsatz haften die Beschäftigten grundsätzlich allein. Wirft ein Arbeitnehmer zum Beispiel den Computer an die Wand, haftet er für den Schaden, weil ein Vorsatz vorliegt.
  • Bei mittlerer Fahrlässigkeit erfolgt eine quotale Haftung. Mittlere Fahrlässigkeit liegt vor, wenn ein Glas Wasser zum Beispiel in sicherer Entfernung abgestellt und versehentlich umgeworfen wurde. Wer für welchen Teil haftet, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Unter anderem werden die Schadenshöhe und das Schadensrisiko sowie Art und Schwierigkeit der Tätigkeit berücksichtigt.
  • Bei leichter Fahrlässigkeit haften Beschäftigte grundsätzlich nicht. Dabei handelt es sich um Schäden, die grundsätzlich jedem bei sorgfältiger Arbeit passieren können. Das gilt zum Beispiel für einen Laptop, der durch einen Virus zerstört wird, obwohl der Nutzer/die Nutzerin sämtliche Schutzmaßnahmen (Anti-Viren-Programm) getroffen hat.

Im Hinblick auf Schäden, die nicht im Rahmen der Berufsausübung entstehen, sind viele Fälle denkbar, in denen im privaten Bereich oder durch den Einfluss Dritter ein Schaden entstehen kann. Man denke hierbei nur an Schäden durch Kinder, Partner oder auch durch Einbrecher. Hier kommen die allgemeinen zivil- und strafrechtlichen Vorschriften zur Anwendung.

Der Arbeitgeber hat kein Zutrittsrecht zu den Wohnungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Dies gilt auch dann, wenn er die Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt hat. Ein Betreten der Wohnung ist nur im Einvernehmen möglich. Ist beispielsweise eine regelmäßige Wartung technischer Geräte erforderlich, sollte ein Zugangsrecht vertraglich oder in einer Betriebs- bzw. Dienstvereinbarung geregelt werden.

Die Regelungen des Arbeitsschutzes gelten grundsätzlich auch im Homeoffice. So müssen insbesondere das Arbeitszeitgesetz, die Arbeitsstättenverordnung sowie die Bildschirmarbeitsverordnung eingehalten werden.

Für die Tätigkeit im Homeoffice gelten zwar grundsätzlich auch die allgemeinen Regelungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Nach Auffassung des Bundessozialgerichts tragen Arbeitnehmer/-innen jedoch das Risiko, in der Privatwohnung einen Unfall zu erleiden. So hat das Gericht im Fall einer Arbeitnehmerin entschieden, die sich in der Küche ein Glas Wasser holen wollte und dabei stürzte, dass dies kein Arbeitsunfall sei (BSG vom 05.07.2016 – AZR B 2 U 2/15 R).

Redaktioneller Stand: August 2020

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