Die Arbeit in den eigenen vier Wänden hat viele augenscheinliche Vorteile. Man spart sich den Weg zur und von der Arbeit. Auch lassen sich Privatleben und Beruf besser vereinbaren. Mobile Arbeit scheint noch attraktiver zu sein. Arbeiten, wo man will: im Café, im Park, am Strand …
Aber eine Arbeitswelt aus Homeoffice- und Mobilarbeiter*innen birgt auch Gefahren. Die Geschichte der Gewerkschaften ist eine Geschichte des solidarischen Handelns. Und dieses setzte voraus, dass sich Arbeitnehmer*innen kennen, zusammen agieren und sich darüber bewusst werden, dass sie objektiv gemeinsam starken Interessen gegenüberstehen. Solidarität konnte nur entstehen, weil die Erfahrung in der arbeitsteiligen Produktion die Stärke gemeinschaftlicher Aktionen sinnlich spürbar macht.
Arbeiten außerhalb des Betriebs kann zur Vereinsamung führen. Und schließlich zur Entsolidarisierung, wenn der Kontakt zum Team nur noch digital erfolgt. Deshalb kann man dem ausschließlichen Arbeiten außerhalb des betrieblichen Zusammenhangs durchaus auch skeptisch gegenüberstehen.
Hinzu kommt die unscharfe Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben. Auch wenn die Arbeitszeit formell festgelegt ist, fehlt es an einem wirklichen „Schlusspunkt“. Da fällt einem beim Abendessen ein, dass man vergessen hat, Kolleg*innen eine wichtige E-Mail zu schicken. Man fährt den Rechner noch einmal hoch und stellt fest, dass auch andere Kolleg*innen noch E-Mails geschickt haben. Da der Computer nun schon hochgefahren ist, erledigt man diese auch noch „schnell“.
Arbeitet man mobil, wird man nur selten einen ergonomischen Arbeitsplatz haben, der der Arbeitsstättenverordnung entspricht. Zudem besteht die Gefahr, dass viele Risiken, die klassisch zu den Betriebsrisiken gehören, auf Beschäftigte verlagert werden.
Aufzuhalten ist das, was die Fachwelt „digitale Transformation“ nennt, wohl kaum noch. Laut dem Report 2022 des DGB-Index „Gute Arbeit“ arbeiten mehr als 80 Prozent der knapp 6.700 befragten Arbeitnehmer*innen mit digitalen Arbeitsmitteln. Neben der elektronischen Kommunikation sind softwaregesteuerte Arbeitsabläufe, digitale Assistenzsysteme und internetbasierte Projektarbeit weit verbreitet. Und mit der digitalen Transformation eröffnen sich zudem zunehmend mehr Möglichkeiten, Arbeit aus den Betrieben heraus zu verlagern.