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Krank im Urlaub

Wie gemein: Ausgerechnet im Urlaub erwischt es einen. In der Zeit, die doch eigentlich der Erholung und Entspannung dienen sollte. Die gute Nachricht: Diese Krankheitstage werden nicht auf den Urlaubsanspruch angerechnet. Sie können nachgeholt werden. Doch es ist einiges zu beachten. Das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) sowie das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) regeln solche Fälle. Allerdings sollten Beschäftigte immer prüfen, ob es abweichende Regelungen im Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung gibt.

Beschäftigte sind verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer „unverzüglich“, das heißt ohne schuldhafte Verzögerungen, mitzuteilen. In der Regel am ersten Tag der Arbeitsverhinderung, möglichst in den ersten Arbeitsstunden (§ 5 EFZG). Das gilt auch für Krankheiten im Urlaub. Eine spezielle Form der Mitteilung ist nicht vorgeschrieben. Die Meldung kann daher neben einem persönlichen Anruf auch per E-Mail oder Fax erfolgen.

Tritt die Arbeitsunfähigkeit während eines Auslandsaufenthalts ein, entstehen für Beschäftigte weitere Verpflichtungen (§ 5 Abs. 2 EFZG). Der Arbeitgeber hat einen Anspruch auf Angabe der Urlaubsadresse. So könnte er die Arbeitsunfähigkeit überprüfen. Fehlt die Angabe der Urlaubsanschrift, kann er die Lohnfortzahlung verweigern (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 EFZG).

Hat der Arbeitgeber nicht nach der Adresse gefragt, müssen Beschäftigte sie aber auch nicht zwangsläufig nennen (BAG vom 19.02.1997 – 5 AZR 83/96). Um sicherzugehen, ist es aber ratsam. Die Kosten für die Mitteilung, zum Beispiel für ein Fax, muss der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin übernehmen.  

Ja. Sie müssen sowohl den Arbeitgeber als auch Ihre Krankenkasse informieren (§ 5 Abs. 2 S. 7 EFZG). Das gilt sogar, wenn die Arbeitsunfähigkeit zum Zeitpunkt der Rückkehr nicht mehr vorliegt oder die Urlaubszeit noch nicht beendet ist.

Neben der formlosen Anzeige der Arbeitsunfähigkeit (Anzeigepflicht) muss auch eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt werden (Nachweispflicht). Die Nachweispflicht besteht aber nur, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage andauert (§ 5 Abs. 1 S. 2 EFZG).

Es kann sein, dass im Arbeits- oder Tarifvertrag andere Regelungen festgeschrieben sind. Zum Beispiel, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag vorgelegt werden muss (§ 5 Abs. 1 S. 3 EFZG). Solche speziellen Regelungen dürfen aber weder schikanös oder willkürlich sein, noch dürfen sie gegen den allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz oder gegen Diskriminierungsverbote verstoßen (BAG vom 14.11.2012 – 5 AZR 886/11).

Für eine ausländische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gilt im Prinzip nichts anderes. Auch sie muss ebenso wie die inländische Bescheinigung Angaben über den Namen des erkrankten Arbeitnehmers bzw. der erkrankten Arbeitnehmerin und über die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit enthalten. Für die Information des Arbeitgebers gelten die oben genannten Fristen. 

Arbeitnehmer/-innen trifft allerdings kein Verschulden, wenn die ärztliche Bescheinigung zum Beispiel aufgrund längerer Brieflaufzeiten später zugeht. Es empfiehlt sich allerdings, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf schnellerem Weg, zum Beispiel vorab per Fax oder E-Mail, zuzusenden.

Die durch ärztliches Zeugnis nachgewiesene Zeit der Erkrankung wird nicht auf den Urlaub des Beschäftigten angerechnet (§ 9 BUrlG).

Der Urlaub verlängert sich aber nicht automatisch um die Krankheitstage. Vielmehr müssen Arbeitnehmer/-innen ihre Tätigkeit nach Ende des beantragten Urlaubs oder dem Ende der Arbeitsunfähigkeit wieder aufnehmen. Um den „verlorenen“ Urlaub nachzuholen, müssen Arbeitnehmer/-innen einen neuen Urlaubsantrag stellen.

Urlaub muss grundsätzlich im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden. Eine Übertragung des Resturlaubs bis zum 31. März des nächsten Kalenderjahrs ist möglich - siehe Praxistipp „Urlaubsrecht“ – wenn dringende betriebliche oder persönliche Gründe vorliegen. Der Urlaub von Langzeiterkrankten kann nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs auch über diesen Zeitpunkt hinaus erhalten bleiben.

Siehe hierzu auch unsere ausführliche Urteilskommentierung

Redaktioneller Stand: März 2019

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