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Urteile

Auswirkungen von Teilzeitarbeit auf die betriebliche Altersversorgung

Orientierungssätze

1. Eine Versorgungsregelung kann wirksam vorsehen, dass bei der Ermittlung der anrechnungsfähigen Dienstzeiten im Rahmen der Berechnung des Altersruhegelds die Zeiten einer Teilzeitbeschäftigung lediglich anteilig berücksichtigt werden.

2. Ebenso kann eine Versorgungsregelung vorsehen, dass eine Höchstgrenze eines Altersruhegelds bei in Teilzeit beschäftigten Arbeitnehmern entsprechend dem Teilzeitgrad während des Arbeitsverhältnisses gekürzt wird. Diese Regelungen stellen keine unzulässige Diskriminierung wegen der Teilzeitarbeit im Sinne von § 4 Abs. 1 TzBfG dar.

  • Gericht

    Bundesarbeitsgericht vom 23.03.2021
  • Aktenzeichen

    3 AZR 24/20

Der Rechtsstreit

Die Klägerin war annähernd 40 Jahre bei der Beklagten überwiegend in Teilzeit beschäftigt. Seit dem 1. Mai 2017 bezieht sie auf Grundlage der im Betrieb der Beklagten geltenden Konzernbetriebsvereinbarung („Leistungsordnung“) ein betriebliches Altersruhegeld. Dessen Höhe hängt von dem zum Ende des Arbeitsverhältnisses erreichten versorgungsfähigen Einkommen und den zurückgelegten anrechnungsfähigen Dienstjahren ab. Soweit das maßgebende Einkommen ein Entgelt für Teilzeitarbeit ist, wird das Einkommen zugrunde gelegt, das der Mitarbeiter in Vollzeit erzielt hätte.

Die Leistungsordnung enthält ferner eine Regelung, wonach Dienstzeiten in Teilzeitarbeit nur anteilig angerechnet werden. Die anrechnungsfähige Dienstzeit ist auf höchstens 35 Jahre begrenzt. Wird dieser Zeitraum überschritten, werden die Jahre mit dem für den Arbeitnehmer günstigsten Verhältnis berücksichtigt. Nach der Leistungsordnung gilt für das Altersruhegeld eine absolute Höchstgrenze von 1.375,00 Euro im Monat, wenn das Einkommen bei Eintritt des Versorgungsfalls die maßgebende Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung übersteigt. Bei der Klägerin sieht die Leistungsordnung einen Teilzeitfaktor von 0,9053 vor, obwohl sie in ihrem annähernd 40 Jahre bestehenden Arbeitsverhältnis insgesamt 34,4 Vollzeitarbeitsjahre gearbeitet hat. Gegen die Berücksichtigung des Teilzeitfaktors hat sich die Klägerin mit ihrer auf die Zahlung der Differenz zum höchstmöglichen Altersruhegeld gerichteten Klage gewandt. Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. Das Landesarbeitsgericht hat ihr teilweise stattgegeben.

Die Revision der Beklagten hatte vor dem Bundesarbeitsgericht Erfolg. Die insgesamt klageabweisende Entscheidung des Arbeitsgerichts wurde wiederhergestellt. Die in der Leistungsordnung vorgesehene Berechnung des Altersruhegelds unter Berücksichtigung eines Teilzeitgrads ist wirksam. Die Klägerin wird nicht im Sinne von § 4 Abs. 1 TzBfG wegen ihrer Teilzeitarbeit benachteiligt, weil ihre über annähernd 40 Jahre erbrachte Arbeitsleistung nicht in 34,4 Vollzeitarbeitsjahre umgerechnet wurde. Mit einem Arbeitnehmer, der 34,4 Jahre in Vollzeit gearbeitet und dann in den Altersruhestand getreten ist, ist sie nicht vergleichbar. Auch kann sie nicht mit Erfolg geltend machen, dass sie wegen ihrer Teilzeitarbeit benachteiligt wird, weil der nach der Leistungsordnung ermittelte Teilzeitfaktor auch auf die Versorgungshöchstgrenze angewandt wird. Sie erhält vielmehr ein Altersruhegeld in dem Umfang, der ihrer erbrachten Arbeitsleistung im Verhältnis zur Arbeitsleistung eines gleich lange im Unternehmen der Beklagten in Vollzeit tätigen Arbeitnehmers entspricht. Das ist zulässig.

Quelle: Pressemitteilung des BAG vom 23.03.2021 Nr. 5/21

Der Kommentar

Das Urteil bezieht sich auf die Auswirkungen langjähriger Teilzeittätigkeit auf die betriebliche Altersversorgung. Die Klägerin hatte nahezu 40 Jahre bei ihrem Arbeitgeber gearbeitet. Das würde einer Vollzeittätigkeit von 34,4 Jahren entsprechen. Dennoch wurde die Betriebsrente aufgrund der einschlägigen Versorgungsordnung nur auf Basis der Teilzeittätigkeit berechnet. Das Bundesarbeitsgericht hält diese Berechnungsmethode für zulässig und sieht darin keine unzulässige Diskriminierung wegen der Teilzeitarbeit.

Während in der betrieblichen Altersversorgung unterschiedliche Berechnungsmodelle möglich sind, gibt es in der gesetzlichen Rentenversicherung klare, einheitliche Regelungen. Die Frage, in welcher Höhe sich ein Beschäftigungsjahr auf die gesetzliche Rente auswirkt, ist grundsätzlich von der Höhe des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts abhängig und wird nach einer bestimmten Formel (Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Rentenartfaktor x aktueller Rentenwert = monatliche Rentenhöhe) berechnet.

Grundsätzlich gilt aber, dass aufgrund des mit der Teilzeitarbeit verbundenen geringeren Verdienstes auch die Rente in der Regel geringer ausfällt als bei einer Vollzeitbeschäftigung.

Im Zweifel sollten sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei dem Träger der betrieblichen Altersversorgung und bei der Rentenversicherung genau über die Auswirkungen der Teilzeitarbeit informieren.
 

Zusammengestellt und kommentiert von Ass. jur. Dr. Nicole Nießen, Düsseldorf, 30.03.2021

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